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Viel Harmonie und wenig Streit


Die drei Bürgermeisterkandidaten: (v.l.) Florian Kübber, Jochen Wilms, Carsten Hövekamp

Dülmener Unternehmer luden die drei Bürgermeisterkandidaten zur Podiumsdiskussion ein

DÜLMEN. PR-Profi Harald Wehmeyer, Moderator der IDU-Podiumsdiskussion, hat seine Sache im Gecko gut gemacht. Unaufgeregt und charmant führte er die Diskussion mit den drei jungen Männern, die alle gern ins Bürgermeisteramt wollen. 

Und doch musste er - wie beim Thema Fachkräfte-Gewinnung - konstatieren: "Die Problematik ist insgesamt
erkannt, aber ein kreativer Ansatz wohl noch in Arbeit." 

Damit unterstrich er treffend eine Problematik, die es den drei Kandidaten so schwer macht, sich inhaltlich voneinander abzuheben: Zum einen ist die Stadt Dülmen auf vielen Feldern bereits heute sehr gut aufgestellt. Da ist es schwer, neue, kreative Lösungen zu finden. Mangelnde Fachkräfte, ökologischer Neuanfang, Gewerbeansiedlung und Wohnungsbau - da ist die Bilanz gar nicht so rabenschwarz. Es braucht also im Rathaus keinen dynamischen Erneuerer,
der alles auf links dreht.

Das zweite Problem der Kandidaten: Die drei sind sich in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich. Nicht nur, dass es sich um gestandene Mannsbilder Ende 30 handelt, auch ihre Vorstellungen von der Zukunft der Stadt unter ihrer Bürgermeisterschaft bietet deutlich mehr Übereinstimmung als Konflikt. Und so ist es kein Wunder, dass sie - sofern sie ich im Gespräch auf den Mitbewerber beziehen - stets das Vertraute zu wählen. Und ich viel häufiger zustimmen als widersprechen. 

Ein bisschen Konflikt, immerhin, flammte auf, als es um die Frage ging, ob Dülmen den Klimanotstand ausrufen soll und ob die Kandidaten mit ihren Kindern die Demonstrationen der Fridays for future besuchen würden. "Ich schreibe meiner Tochter dafür keine Entschuldigung", erklärte Wilms, der die Bildung als eins der höchsten Güter preist, entschlossen. Auch Hövekamp empfiehlt der Jugend, sich systemkonform zu verhalten: "Geht nachmittags demonstrieren". Kübber hingegen würde er seinem Kind erlauben, zur Schulzeit auf die Straße zu gehen. Nur mitgehen, das würde der Lehrer lieber doch nicht. 

Zum Thema Klimanotstand erklärt Kübber diplomatisch, das habe ja nicht er, sondern der Rat zu entscheiden. Er würde einen solchenAntrag aber unterstützen. Wilms erinnert daran, dass die Stadt nur für einen Bruchteil des C02-Ausstoßes verantwortlich sei. Und der Umbau von Verkehr, Wohnen und Wirtschaft Zeit brauche. Hövekamp sieht die ökologische Vorbildrolle der Stadtverwaltung, lehnt den Kampfbegriff Klimanotstand hingegen ab.

Bis auf Nuancen sind sich die Kandidaten bei den großen Themenfeldern Wirtschaft, Kinder und Jugend, oder auch Innenstadtgestaltung weitgehend einig. 

Bei der Innenstadt lobt Hövekamp die bereits erfolgte Einstellung eines City-Managers, und er wünscht sich einen zentralen Marktplatz, der durch ein Wasserspiel durch die Scharre noch aufgewertet werden könnte. Kübber kann ich vorstellen, dass Leerstände in Zukunft auch durch Wohnungen mitten in der Stadt kompensiert werden könnten, er möchte die Kultur stärker auf die zentralen Plätze bekommen. Und Jochen Wilms sieht den klassischen Einzelhandel als Auslaufmodell. Er glaubt dass nur wenige Händler, die ihren Kunden etwas Einzigartiges bieten können, überleben werden. Ergänzt werden solle der Handel durch Dienstleister, auch durch Cafés und Restaurants, die für den Nahtourismus von Bedeutung seien. Außerdem könne die Stadt aktiv Immobilien aufkaufen, um die Stadtentwicklung mehr selbst zu gestalten. Später wird Hövekamp sagen: "Nichts ist wichtiger, als die Dinge selbst gestalten zu können." Zum Schluss darf jeder noch erklären, warum er die beste Wahl für Dülmen ist.

Hövekamp sieht sich als bodenständigen Kandidaten, der mit 38 Jahren einen guten Draht zu den Jungen wie den Alten hat. Als Kämmerer im schuldenfreien Reken will er auch Dülmens Haushalt stets im Blick halten. Die vielen Ideen für Dülmen wolle er als Bürgermeister zusammenbringen.

Wllms erklärt dem Publikum staatsmännisch: "Die beste Wahl müssen Sie treffen." Er habe in seiner Laufbahn - nicht nur beim TV Dülmen - gezeigt, dass er erfolgreich führen und für gesunde finanzielle Strukturen sorgen könne. 

Kübber verweist darauf, dass er als Ur-Dülmener, der tief in der hiesigen Vereinslandschaft verwurzelt sei, sein Ohr ganz nah am Bürger habe, und da er auch selbst als Bürger im Rathaus sitzen wolle, der auf die Dinge hören möchte, die ihm zugetragen werden. 

Die Diskussion kann im Videostream der IDU noch einmal angeschaut werden. Einfach bei YouTube "IDU Dülmen" ins Suchfenster eingeben. Oder gleich hier. 

Bericht von Markus Michalak in der Dülmener Zeitung am 31. August 2020